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Deutsche Meisterschaften Fighting und Duo
Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurs für Frauen im Knappschaftskrankenhaus Sulzbach
Alleine im Nachtdienst auf Station bei Nachtbeleuchtung, Nachts mit alkoholisierten Patienten in der Ambulanz, nach dem Spätdienst über spärlich beleuchteten Parkplatz zum Auto gehen. Dies müssen doch Empfindungen so manch einer Kollegin sein dachte sich unser Mitarbeiter und Kampfsportler Thomas Giese. Gespräche mit Kolleginnen bestätigen, dass diese Eindrücke nicht unbegründet sind.
Bestärkt durch die Bestätigungen der Kolleginnen suchte Thomas Giese zusammen mit der Referentin für Frauenselbstverteidigung des Saarländischen Ju-Jutsu Verbandes e.V., Gisela Hauprichs, das Gespräch mit der Pflegedienstdirektorin, Frau Kern-Schwahn. Sie trugen gemeinsam die Konzeption des Saarländischen Ju-Jutsu Verbandes e.V. vor die bereits 1996 in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt des Saarlandes entwickelt wurde. Die Pflegedienstdirektorin war sofort begeistert von der Idee, solch einen Kurs in unserer Klinik anzubieten.
Ende Oktober 2009 trafen sich 8 Kolleginnen aus dem Haus sowie 3 Frauen „von extern" zum ersten Informationsabend. An den folgenden 12 Abenden lernten die Frauen präventive Verhaltensmuster, Selbstbehauptung durch sicheres Auftreten sowie einfache, aber sehr effektive Selbstverteidigungstechniken, die gezielt auf empfindliche Körperregionen, wie Genitalbereich, Augen, Nase usw. gerichtet werden. Diese Techniken wurden ständig an Schlagpolstern geübt, um den Frauen zu zeigen, dass auch das „schwache" Geschlecht durchaus kraftvoll zuschlagen kann. Der 4. Abend war ein Informationsabend mit einer Beamtin des Landeskriminalamtes des Saarlandes. Sie stellte Statistiken vor, nach der Frauen bei Gegenwehr deutlich höhere Chancen haben, bei männlichen Übergriffen schadlos zu bleiben, je stärker und energischer dies geschieht, um so besser diese Chancen. Ein weiterer Abend war ganz der Selbstbehauptung vorbehalten. Mit Rollenspielen, die auf Video aufgezeichnet, wurden lernten die Teilnehmerinnen wie man sich in bestimmten Situationen beispielsweise im Auto, im Bus usw. verhalten sollte, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Ein Highlight des Kurses war der 10. Abend. Ein Mann wurde in einen Vollschutzanzug gesteckt, und die Frauen durften zum ersten mal erlernte Techniken ausprobieren ohne Angst zu haben, jemanden ernsthaft zu verletzen. Im Laufe des Abends wurden die Angriffe immer energischer und die Frauen immer lebhafter. Mit Einsatz der Stimme als Kraftverstärker wurden Selbstverteidigungstechniken an einem männlichen Angreifer ausgeführt. Viele waren sichtlich erstaunt darüber, was sie alles zu Stande bringen, wenn nur genügend Adrenalin auf den Körper wirkt.
Ein weiterer Abend war dem Thema alltägliche Hilfsmittel und deren Einsatz zur Selbstverteidigung vorbehalten. Die meisten Frauen waren sehr erstaunt darüber, was man alles mit einem Autoschlüssel, einer EC-Karte oder einem Regenschirm im Rahmen einer Verteidigungshandlung anstellen kann.
Den krönenden Abschluss stellte der letzte Abend dar. Alle Frauen durchliefen mehrmals einen Parcours, auf dem sie von, ihnen vollkommen unbekannten Männern, angegriffen wurden. Bei jedem Durchgang wurden die Angriffe energischer, angefangen mit Ansprachen und Anmachen, denen man noch mit entsprechend angewendetem Einsatz von selbstbewusstem Auftreten und allgemeinen präventiven Maßnahmen entgegentreten kann, bis hin zu massiven tätlichen Angriffen bei denen sich die Frauen massiv verteidigen mussten, war alles dabei. Diesen Parcours meisterten alle Frauen mit Bravour.
Bei dem abschließenden Nachgespräch zeigte sich, dass alle Frauen etwas für sich mitnehmen konnten. Äußerungen wie „ich trete nach diesen 13 Wochen nun viel selbstbewusster auf" oder „ich achte nun auch auf viel mehr Details in meiner Umgebung als vorher" bestätigen, dass die Kursleiter genau ins Schwarze getroffen haben. Das durchweg positive Feedback stellt auf die Grundlage dafür zukünftig weitere Kurse dieser Art im Knappschaftskrankenhaus Sulzbach anzubieten.


